Objekt des Monats: Portfolio, um 2016

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Objektbezeichnung

Portfolio, um 2016

 

Material:
Pappe, Papier, Plastik, Garn

Maße:
21,1 x 30,5 x 1,5 cm

Schenkung:
Martina Filligoi
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Anlass

Am 7. Oktober ist World Architecture Day. Mit seinem diesjährigen Thema „Architecture … housing for all“ greift er Fragen nach nachhaltiger, sozialer und ökologischer Stadtentwicklung auf. Der World Architecture Day wird seit 1985 gefeiert und wurde 1996 vom ersten Montag im Juli auf den ersten Montag im Oktober verschoben, um mit dem Welttag des Wohn- und Siedlungswesens zusammenzufallen. Bei diesem Tag geht es um das Recht auf Wohnraum und Unterkunft und um die gemeinsame und gesellschaftliche Verantwortung bei der Gestaltung der Wohngebiete.

Historische Einordnung

Über die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in der Stadt. Und Städte werden in Zukunft weiterhin wachsen. Im Jahr 2050 sollen schon mehr als zwei Drittel der Weltbevölkerung in urbanen Gebieten wohnen. So verdichten sich Chancen und Herausforderungen für globale Bewegungen.

Migration und Mobilität waren maßgeblich entscheidend für die Entwicklung von Städten. Die Herausbildung neuer Arbeitsmärkte, zum Beispiel durch die Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert, führte zu Wanderungen aus regional-ländlichen und internationalen Regionen in die städtischen Zentren. Urbane Kontexte bieten auch heute ein für unterschiedliche Fähigkeiten und Qualifikationen erheblich breiteres Arbeitsmarktangebot als rurale Gebiete.

In medialen und politischen Debatten werden Städte in Einwanderungsgesellschaften jedoch oft auch problematisiert. Dabei fallen Begriffe wie „Parallelgesellschaft“ oder „Ghettoisierung“. Viele Kultur- und Sozialwissenschaftler kritisieren diese Form des Diskurses, der weiterhin mit kultureller Differenz argumentiert, also ethnisiert und Themen wie soziale Ungleichheiten oder Überwachung von Mobilität ignoriert.

Kurzbiographie

„Ich dachte mir: Wenn ich jetzt nicht gehe, dann mache ich es nie.“

Martina Filligoi wurde 1988 in Udine, im Nordosten Italiens, geboren. Sie studierte Architektur in Venedig und Lissabon, lebte anlässlich eines Praktikums sechs Monate in Berlin und arbeitete später in Mailand. Aufgrund der schlechten Situation des italienischen Arbeitsmarktes für Architekten fasste sie den Entschluss, im Ausland eine Arbeitsstelle zu finden. Sie reiste mit einem One-Way-Ticket nach Hamburg, da sie dort Bekannte hatte, und setzte sich selbst eine Frist: „Hätte ich keine Stelle innerhalb von drei Monaten gefunden, wäre ich zurückgegangen und hätte in Italien umgeschult.“ Martina Filligoi konnte aber schon im ersten Monat eine Anstellung finden und arbeitet seit 2017 in einem Architektur- und Designbüro in Hamburg.

Bedeutung des Objekts

Das Portfolio packte die Architektin Martina Filligoi als Erstes in ihren Koffer. Es sollte ihr in der dreimonatigen Bewerbungsphase in Hamburg helfen – und auch darüber entscheiden, ob sie zurück nach Italien ziehen würde. An die Phase der Zusammenstellung, die ihr sehr wichtig war, erinnert sich Martina Filligoi so:

„Es hat lange gedauert, bis ich es fertiggestellt hatte. Es sollte Emotionen bei denjenigen auslösen, die es sehen würden, und passend für die zukünftigen Arbeitgeber sein. Gleichzeitig war es ein Prozess, bei dem ich viel über meine Vergangenheit als Architekturstudentin und Architektin nachgedacht habe.“

© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de.

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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