Objekt des Monats: Brief, 1957

© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

 

Objektbezeichnung

Brief an die German Radio Hour, 1957

 

Material:
Briefpapier

Maße:
28,0 x 21 ,7 x 0,1 cm

Schenkung:
Cosima Wolter
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Historische Einordnung

Um die deutschen Auswanderer in den USA auf dem Laufenden über die aktuellen Geschehnisse in Deutschland zu halten, entwickelte die American Association of Teachers of German (AATG) die „German Radio Hour“. Der Verband wurde 1926 in Boston/Massachusetts gegründet. ln dem Programm wurden nicht nur die aktuellen Nachrichten verlesen, sondern auch deutschsprachige Literatur und Lyrik von Goethe, Schiller und Hesse. Zudem wurden Märchen vorgetragen sowie Interviews geführt. Die Lücken zwischen den einzelnen Themenblöcken wurden mit Musik aus Wagneropern und Schubertsinfonien, aber auch mit anderen, durchaus aktuellen Werken deutschsprachiger Künstler gefüllt.

Kurzbiographie

Bob Munstedt, der Verfasser des Briefes, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in der Schweiz geboren. In der Schule sprach er deutsch, zu Hause mit seiner Familie den Schweizer Dialekt. Mit 13 Jahren wanderte er mit seiner Familie in die USA aus. Gemeinsam zog die Familie Munstedt nach Massachusetts. Zu Verwandten in Europa hielt er über Briefe Kontakt. lm September 1957 hörte er erstmalig das Radioprogramm der „American Association ofTeachers of German“ (AATG) und war so begeistert, die deutsche Sprache nach langer Zeit wieder einmal hören zu können, dass er einen Dankesbrief an Lorley Mabry schrieb. Sie war eine gute Freundin von Munstedt und hatte ihn auf das Programm aufmerksam gemacht.

Lorley Mabry arbeitete als Sprecherin der German Radio Hour. Ihr richtiger Name war Hannelore Mabry, geborene Katz. Sie wurde 1930 in Chemnitz geboren. Mabry arbeitete nebenbei als Schauspielerin und engagierte sich für die Rechte der Frauen. 1956 wanderte sie mit ihrer Tochter Cosima in die USA aus und heiratete dort zum zweiten Mal. Die Ehe mit dem USAmerikaner Paul Michael Mabry hielt jedoch nur zwei Jahre. Nach der Scheidung von Ehemann Paul kehrte sie im Sommer 1958 nach Deutschland zurück. Im März 2013 verstarb sie in München. Doch vielen Zuhörern der German Radio Hour beibt sie bis heute in guter Erinnerung. Ihre Tochter Cosima Wolter übergab den Brief von Bob Munstedt dem Deutschen Auswandererhaus.

Bedeutung des Objekts

Für viele europäische Auswanderer spielte das Briefeschreiben eine große Rolle – nicht nur für ihre Korrespondenz innerhalb der USA, sondern vor allem auch, um mit Freunden und Verwandten in der alten Heimat in Kontakt zu bleiben. Zwischen 1820 und 1914 wurden laut dem Historiker Wolfgang Helbich mindestens 35 Millionen Briefe aus den USA nach Deutschland versendet. Die Briefe enthielten meist wichtige wirtschaftliche und politische Informationen für die Empfänger in der alten Heimat. Die Briefe schilderten aber auch persönliche Meinungen, Erfahrungen, Gefühle und Gedanken der Absender. Die persönlichen Briefe waren, ihrem Ursprung nach, nicht an die Nachwelt gerichtet oder gar für sie bestimmt. Dennoch geben sie uns heutigen Lesern Einblicke in eine längst vergangene Zeit.

Der Inhalt der Briefe wurde vor allem in deutscher Sprache verfasst. Besonders junge Auswanderer lernten in Übersee oft rasch Englisch und nutzen dieses als Alltagssprache. Dadurch sprachen sie ihre Muttersprache immer weniger; häufig nur in der eigenen Familie oder mit deutschen Bekannten. Auch in den Schulen und im öffentlichen Leben nahm die Bedeutung der deutschen Sprache, besonders nach dem Ersten Weltkrieg, immer stärker ab. Durch die Briefe nach Hause lebte die Heimatsprache noch weiter.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de.

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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