Online-Vorträge

Prof. Dr. Tanja Bültmann, Northumbria Universität, Newcastle upon Tyne.
© privat

EU-Bürger im Vereinigten Königreich – Briten in der Europäischen Union

Wie verändert der Brexit Europa – und welche Folgen hat er sowohl für EU-Bürger in Großbritannien als auch für Briten, die in der Europäischen Union leben? Diese Fragen beantwortet Prof. Dr. Tanja Bültmann von der englischen University of Northumbria während ihres Online-Vortrags auf Einladung des Freundeskreises Deutsches Auswandererhaus.

Obwohl sich die Freude über den Brexit bei EU-Bürgern im Vereinigten Königreich und Briten in der Europäischen Union in Grenzen hält, besteht seit dem Referendum zum ersten Mal etwas Sicherheit für diese Menschen: Mit dem Austrittsabkommen sind zumindest die Bürgerrechte offiziell verankert. Diese Entwicklung ist nach der über dreijährigen Achterbahnfahrt eine echte Erleichterung – und trotzdem darf sie nicht über noch bestehende Probleme hinwegtäuschen. Zwar sprechen Politiker auf beiden Seiten davon, dass alle Unklarheiten beseitigt wären, in der Realität sieht die Situation für die mindestens fünf Millionen direkt betroffenen Bürger aber schon jetzt ganz anders aus: Das Abkommen klärt längst nicht alle Fragen und im Vereinigten Königreich sind EU-Bürger von einem hostile environment (feindliche Umgebung) umgeben. Dieser Vortrag beleuchtet die Folgen des Brexit für die Betroffenen – und für ganz Europa.

Tanja Bültmann, in Bielefeld geboren, ist Professorin für Migrationsgeschichte an der Northumbria Universität im englischen Newcastle upon Tyne. Der Brexit betrifft sie nicht nur persönlich, auch fachlich interessiert sie sich für die Folgen, die dieser für die Rechte von EU-Bürgern mit sich bringt. Im Jahr 2018 gründete sie zudem die EU Citizens’ Champion-Kampagne.

Da Prof. Bültmann den Vortrag aufgrund der Corona-bedingten Absagen aller Veranstaltungen nicht "live" halten konnte, nahm sie diesen in Newcastle für den Freundeskreis Deutsches Auswandererhaus als Video auf.

Zu dem Video-Vortrag anlässlich der Europa-Woche 2020 gelangen Sie hier auf der Webseite des Freundeskreises Deutsches Auswandererhaus.

Dr. Bärbel Auffermann, Direktorin des Neanderthal Museums Mettmann.
© Neanderthal Museum

Unser Weg nach Europa

Wir haben alle einen Migrationshintergrund, denn Menschen waren zu allen Zeiten mobil: Homo erectus und später Homo sapiensstammen aus Afrika. Vor erst 7000 Jahren wanderten Bauern aus der heutigen Türkei nach Europa ein und vermischten sich mit der ansässigen Bevölkerung. Vor 4000 Jahren kam es mit Menschen aus den östlichen Steppen erneut zu Vermischung und Kulturaustausch. Im Vortrag gehen wir den Spuren unserer vielfältigen Vorfahren nach und erfahren, dass Mobilität und Migration selbstverständliche Bestandteile des Menschseins und kein modernes Phänomen sind.

Bärbel Auffermann studierte Ur- und Frühgeschichte, Geologie und Ethnologie an den Universitäten Münster und Tübingen, promovierte 1996. 1995/96 arbeitete sie an der Konzeption und Realisation des neuen Neanderthal Museums in Mettmann mit, dessen stellvertretende Direktorin sie von 1997 bis 2018 war. Seit 2019 leitet sie das Haus als Direktorin.

Ihren Vortrag hielt sie am 7. April 2019 im Deutschen Auswandererhaus auf Einladung des Freundeskreises Deutsches Auswandererhaus. Deutschlandfunk Nova strahlte den Vortrag am 26. April 2020 in seiner Sendung Hörsaal aus.

Hier gelangen Sie zur Audio-Datei auf der Seite des Deutschlandfunks.

Prof. Dr. Jochen Oltmer, Universität Osnabrück.
© privat

Kriegsgefangene im Europa des Ersten Weltkriegs

Es gibt keinen Krieg ohne räumliche Bewegungen in großer Zahl: Soldaten ziehen fern ihrer Heimat in die Schlacht, Menschen flüchten, um sich in Sicherheit zu bringen. Und dann gibt es noch die Kriegsgefangenschaft, die in der Forschung heute als ein Teilaspekt von Migration betrachtet wird: Denn Gefangennahme und Rückkehr sind in der Regel mit Bewegungen über große Distanzen und Grenzen verbunden. Auch sind Trennung von Heimat und Familie Erfahrungen, die Kriegsgefangene und viele Auswanderer teilen.

Jochen Oltmer ist Historiker und Migrationsforscher am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien und am Historischen Seminar der Universität Osnabrück. Seinen Vortrag "Kriegsgefangene im Europa des Ersten Weltkriegs" hielt er im Rahmen des Ausstellungsexperimentes "Kriegsgefangen. Ohnmacht. Sehnsucht. 1914 – 1921" am 30. August 2018 am Deutschen Auswandererhaus. Deutschlandfunk Nova strahlte den Vortrag am 21. Oktober 2018  in seiner Sendung "Hörsaal" aus.

Hier gelangen Sie zum Podcast der Sendung auf der Seite des Deutschlandfunks.

Prof. Dr. Markus Tiedemann, TU Dresden.
© Deutsches Auswandererhaus

Religiöse Rituale und die Grenzen der Toleranz. Philosophische Betrachtungen kontroverser Wertverständnisse

Toleranz kommt von "erleiden, erdulden". Um etwas tolerieren zu können, müssen wir es erst einmal schlecht finden. Wenn wir behaupten, immer alles tolerieren zu können, sind wir entweder nihilistisch oder zynisch, sagt Prof. Dr. Markus Tiedemann. Aber was machen wir dann mit einem Begriff wie Multikulturalismus? Wie sähe ein selbstkritischer Multikulturalismus aus? Gerade bei religiösen Fragen wird es knifflig. Das erläuterte Markus Tiedemann in seinem Vortrag  "Religiöse Rituale und die Grenzen der Toleranz. Philosophische Betrachtungen kontroverser Wertverständnisse" am Beispiel der Debatte um die Beschneidung.

Die Arbeitsgebiete von Markus Tiedemann sind genau solche Konflikte. Er ist Professor für Philosophiedidaktik an der Technischen Universität Dresden. Angehende Ethik- oder Philosophielehrer können bei ihm zum Beispiel Vorlesungen über die "Ethik der Migration" oder über Kant besuchen. Er schreibt Bücher, die ein junges Publikum für die Philosophie begeistern. Im August 2015 wurde Tiermann mit dem mit mit dem 10.000 Euro dotierten "Kalliope-Preis für praxisnahe Migrationsforschung" der Stiftung Deutsches Auswandererhaus ausgezeichnet.

Seinen Vortrag hielt er am 28. Januar 2017 im Rahmen der Tagung "Rituale  in der Einwanderungsgesellschaft" im Deutschen Auswandererhaus. Deutschlandfunk Nova strahlte den Vortrag am 23. Dezember 2017 in seiner Sendung "Hörsaal" aus.

Hier gelangen Sie zum Podcast der Sendung auf der Seite des Deutschlandfunks.