Gussform, um 1987
Albert Kirchmayr wird am 9. September 1959 in Niederhofen in Schwaben geboren. Mit 16 Jahren, als Kochlehrling, beginnt er, seine „Wanderlust“ zu empfinden, doch der geplante Trip in die Schweiz scheitert bereits an der österreichischen Grenze – nur mit seinem Fischerausweis lassen ihn die Beamten nicht weiterziehen. Erst zwei Jahre später, als die Lehre abgeschlossen ist, klappt es mit der Schweiz und einer Anstellung als Koch dort. Nach weiteren Stationen in Stockholm und auf den Bermudas gelangt er über eine Freundin 1979 nach Baltimore/USA. Bald schon reift der Plan, dort eine eigene Firma aufzubauen. Sein erstes Geschäft muss nach zwei Jahren schließen, woraufhin er die nächsten Jahre als Küchenchef in einem Country Club arbeitet. Doch der Wunsch nach dem eigenen Laden bleibt – eine Pralinenfirma soll es werden. Albert Kirchmayr geht gründlich vor: In Deutschland und in der Schweiz lernt er für ein Jahr das nötige Handwerk, und er kauft dort auch die benötigten Maschinen. Wieder zurück in Baltimore, eröffnet er 1987 „Kirchmayr Chocolatier“. Zunächst hat das Geschäft einen schweren Stand: Einerseits sollen hochwertige Produkte zu einem guten Preis angeboten, andererseits die Nachfrage nach den als europäisch wahrgenommenen Süßwaren erst geschaffen werden. So lässt Albert Kirchmayr auch gleich in der Anfangszeit von „Kirchmayr Chocolatier“ eine Gussform für Weihnachtsmänner bei einer deutschen Firma produzieren. Trotz der Beliebtheit solcher Schokofiguren hüben wie drüben des Atlantiks stellt sich der erwünschte Verkaufserfolg allerdings nicht ein – für einen „Santa Claus“ schaut der einer deutschen Gussform entsprungene Weihnachtsmann den amerikanischen Kund:innen einfach „zu zornig“ drein. Albert Kirchmayer bleibt nichts anderes übrig, als ein weiteres Modell herstellen zu lassen, mit einem milderen Blick. Der „Santa Claus“ soll nicht so aussehen, als holte er mit den Geschenken auch den Knüppel aus dem Sack. Doch in den 32 Jahren von „Kirchmayr Chocolatier“ bringt es der Firmenchef nicht nur auf vier Angestellte, sondern zu einem Namen von regionaler Reichweite. Als Albert Kirchmayr im Frühjahr 2020 „schweren Herzens“ entscheidet, angesichts der Corona-Pandemie das Ladengeschäft zu schließen, vermelden dies mehrere Zeitungen in Baltimore und Umgebung – und viele Kunden melden sich, um ihre Dankbarkeit zu signalisieren.
