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Kinderkleid, 1952

Elena (Olena) Fridrih (Friedrich) wurde am 3. Juni 1946 in Schitomyr, Ukrainische Sowjetische Sozialistische Republik, als Tochter von Solomon Fridrih und Natalja Putowa geboren. Sie studiert in Kiew und arbeitet anschließend als Physikingeneurin. 1992 wandert sie mit ihrer ganzen Familie aus der inzwischen unabhängigen Ukraine in die Bundesrepublik Deutschland aus. Als Grund benennt sie die Angst vor den Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im April 1986. Als Tochter eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen Mutter ist Elena zwar berechtigt, als „jüdischer Kontingentsflüchtling“ nach Deutschland einzureisen, gilt aber nicht als Jüdin im Sinne der jüdischen Religionsgesetze (Halacha). Da in der atheistischen Sowjetunion interkonfessionelle Ehen sehr verbreitet waren, befinden sich viele als „Kontingentsflüchtlinge“ eingewanderten Menschen aus postsowjetischen Ländern in dieser Situation. In der Bundesrepublik leben die Fridrihs zunächst in Gelsenkirchen. Elena arbeitet als Altenpflegerin und ihr Ehemann, ein Doktor der Physikwissenschaft, als Taxifahrer. Inzwischen ist sie selber Großmutter geworden. 1952 nähte die 62-jährige Tatjana Putowa (Putova) für ihre fünfjährige Enkelin Elena Fridrih aus alten Stoffen ein Kinderkleid und bestickte es. 1946 im ukrainischen Schitomyr geboren, wächst Elena unter schwierigen Bedingungen der Nachkriegsjahre auf. Zu der knappen Versorgung kommt die komplizierte Familiengeschichte dazu. Ihr Großvater mütterlicherseits, Andrei (Andrej) Putow (Putov), ein Physiker, arbeitete unter der deutschen Besatzung und wurde nach der Ankunft der Roten Armee verhaftet. Laut Familienerzählung wurde er in Haft zur Mitarbeit in einer „Scharaschka“, einer geheimen Forschungseinrichtung in Leningrad, hinzugezogen. Elenas Vater Solomon Fridrih nahm seit 1942 als Militärarzt der Roten Armee am Krieg teil. Das Kleid wurde als Erinnerungsstück in der Familie aufbewahrt und bei der Einwanderung in die Bundesrepublik Deutschland 1992 mitgenommen.

© Sammlung Deutsches Auswandererhaus, Schenkung Elena Fridrih und Nadja Usova