Notizbuch / Manuskript und Typoskript, 1990er Jahre
Lisel Mueller wird 1924 als Elisabeth Annelore Neumann in Hamburg geboren. Ihr Vater ist der politisch engagierte Reformpädagoge Fritz C. Neumann, der nach der nationalsozialistischen Machtergreifung aus dem Schuldienst entlassen wird. 1937 reist er für eine befristete Anstellung in die USA. Am Evansville College in Indiana erhält er 1938 eine Festanstellung – Elisabeth Annelore Neumann, ihre Mutter Ilse und ihre Schwester Ingeborg ziehen nach. Elisabeth beginnt in den USA Soziologie zu studieren und lernt auf dem Campus ihren zukünftigen Ehemann Paul E. Mueller kennen. Einige Jahre später immatrikuliert sie sich an der Indiana University in Bloomington und studiert Vergleichende Literaturwissenschaft. Die Auseinandersetzungen mit der Erzähl- und Märchenforschung wird später in ihren Gedichten erkennbar werden. Als 1953 ihre Mutter stirbt, zieht sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Paul zu ihrem verwitweten Vater. Den Tod der Mutter benennt sie oft als Ausgangspunkt für ihr dichterisches Schaffen. Vier Jahre später veröffentlicht sie ihr erstes Gedicht. 1958 und 1962 werden ihre Töchter Lucy und Jenny geboren. Sie beginnt als Lyrik-Rezensentin zu arbeiten und gründet das Chicago Poetry Center mit. 1976 verstirbt auch ihr Vater. Lisel Mueller verstarb am 21. Februar 2020 in Chicago. Für ihre Gedichte erhält Sie im Laufe ihres Lebens viele wichtige Preise, darunter den Pulitzer-Preis für Dichtung im Jahr 1997 für ihren Gedichtband Alive together: New and selected Poems. Das Deutsche Auswandererhaus konnte sich gleich zweifach dem Leben und Werk Muellers annähern. Einerseits über ihre Migrationsbiographie, zum anderen über ihre Dichtung, in der auch migrationsspezifische Thematiken wiedergefunden werden können, wie Fremdheitserfahrungen, Spracherwerb, Rückkehrwünsche oder Erinnerungen an das Herkunftsland.

Typoskript
