Reichsbanknote, 1910
Im Jahr 1923 wird die junge Weimarer Republik von einer schweren wirtschaftlichen Krise erschüttert. Die 17-jährige Martha Hüner aus Geestemünde hat zwar eine Arbeit, doch reicht ihr Lohn kaum für das Notwendigste zum Leben. Schon seit ihrem 15. Lebensjahr ist Martha als Kindermädchen und Haushilfe in der Familie eines Zimmermanns angestellt. Mit dem wenigen was sie verdient, unterstützt sie ihre Eltern und die zwei jüngeren Schwestern. Ihre beiden nach Amerika ausgewanderten Tanten Käthe und Johanne berichten dagegen in Briefen von Wohlstand und guten Verdienstmöglichkeiten. Sie ermutigen ihre Nichte, ihnen in die USA zu folgen. Tatsächlich entschließt sich Martha im Sommer 1923 zum Aufbruch. Ihre Tante Käthe organisiert die Bürgschaft, bezahlt die Schiffspassage und lässt Martha noch ein Reisegeld zukommen. In Amerika lernt Martha den deutschstämmigen Bäcker Willy Seegers kennen und heiratet ihn in ihrem zweiten Jahr in den USA. Gemeinsam eröffnen sie 1932 eine Bäckerei in New Jersey. Marthas Leben bleibt bewegt und ist von Höhen und Tiefen gekennzeichnet. In den 1980er-Jahren, nach dem Tod ihres Mannes, verspürt die alte Dame Heimweh, so dass ihre Schwester Hanna und deren Mann sie bald nach Bremerhaven holen. Nur zwei Tage nach ihrem Geburtstag stirbt Martha Seegers am 3. Juli 1987 im Alter von 81 Jahren kinderlos im Hause ihrer anderen Schwester Käthe. Migration und Geld sind seit je her eng miteinander verknüpft. Geld steht für Besitz, Arbeit, ein (gutes) Auskommen – die Hoffnung, all dies zu erreichen, stellt für viele Menschen die Motivation für eine Migration dar. Nicht Wenige unterstützen ihre zurückgebliebenen Angehörigen später, wenn sie sich etabliert haben, mit Geldsendungen – so auch Martha Hüner.
