Gesichter, die Geschichten erzählen

Die Porträts von 31 Einwander*innen werden in Zukunft an der Außenfassade des Neubaus zu sehen sein, den das Deutsche Auswandererhaus im Sommer 2021 eröffnen wird. Die Firma "BWL Bau Fertigwerk GmbH" stellt die Betonplatten, in denen die Fassadenporträts eingelassen sind, in Lemwerder her. Bei einem Pressetermin am 19. August 2020 bekamen Journalist*innen nicht nur einen Einblick in den Herstellungsprozess der Platten, sondern auch in die Einwanderungsgeschichte von Alojzija Wilmes, die ihr Gesicht für die Porträtfassade zur Verfügung stellt.

Konzept und Auswahlprozess

„Das Deutsche Auswandererhaus wird endlich erwachsen“, reflektiert Architekt Andreas Heller über die Außenfassade des zweiten Erweiterungsbaus des Deutschen Auswandererhauses, die er zusammen mit den Kolleg*innen seines Büro Andreas Heller Architects & Designers, Hamburg entwarf. Die Betonplatten geben dem Neubau nicht nur ein, sondern gleich mehrere neue Gesichter, die je nach Sonneneinstrahlung mal mehr, mal weniger zu sehen sein werden. Die 31 Fassadenporträts repräsentieren die Geschichte und Gegenwart von Bremerhaven – nicht nur als Auswanderungshafen, sondern auch als Einwanderungsstadt, betont Lina Falineva, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Auswandererhaus. Sie hat das Auswahlprozedere für die Fassadenporträts begleitet. In der regionalen wie überregionalen Presse wurde nach Personen gesucht, die ihre Einwanderungsgeschichte nach Deutschland teilen wollten. Zwei Kriterien mussten hierbei erfüllt werden: Zum einen musste eine Grenzüberschreitung stattgefunden haben, zum anderen sollte Bremerhaven der erste Wohnsitz nach der Einwanderung in Deutschland gewesen sein. Eine Jury wähle schließlich 31 Einwanderungsbiographien aus. Dabei wurde darauf geachtet, eine möglichst große Diversität im Hinblick auf Alter, Geschlecht und Herkunft abzudecken. Die älteste Einwanderungsgeschichte stammt aus dem Jahr 1887, die jüngste von 2019.

Eine von 31 – Alojzija Wilmes

Eines dieser „Gesichter“, welches auf der Fassade des Neubaus des Deutschen Auswandererhauses zu sehen sein wird, ist das von Alojzija Wilmes. Aufgewachsen ist sie in Dravograd, im heutigen Slowenien, bis sie sich 1968 als 24-Jährige auf ein Stelleninserat der Firma „Nordsee“ in Deutschland meldete – und nach Bremerhaven kam. Mit ihrem Porträt steht sie zusammen mit den anderen 30 stellvertretend für die Millionen Lebensgeschichten der Einwander*innen, die nach Deutschland kamen und kommen, und sieht mit der Entscheidung, ihr Porträt für die Fassade des Deutschen Auswandererhauses zur Verfügung zu stellen, auch eine politische Haltung verbunden: „Für mich ist es wichtig, dass man sich mit dem Thema ‚Deutschland als Einwanderungsland‘ beschäftigt“. Darüber hinaus empfinde sie durch ihre Repräsentation an der Fassade eine gewisse Verantwortung, denn im besten Falle wird ihr Gesicht für Jahrzehnte an der Fassade des Neubaus hängen, und wenn es nach Architekt Andreas Heller geht, gerne auch für 100 Jahre.

Der Herstellungsprozess

Diesen Zeitraum von 100 Jahren würde das Material problemlos überstehen, sagte Wolfgang Ehrenberg, Werksleiter bei BWE-Bau, über die spezielle Beschaffung des Betons. Die Oberfläche ist vor Witterungseinflüssen und selbst Graffiti-Beschmutzungen geschützt. Architekt Andreas Heller zeigte sich begeistert über die hohe Handwerkskunst: „Wir sind froh über die Qualität, ja die Wertigkeit, die die Fassade mit den Platten ausstrahlt.“ Die Vertreter*innen der Presse bekamen von Ehrenberg noch eine kleine „Führung“ durch die Produktionshallen, um einen Blick auf den Herstellungsprozess der Betonplatten zu werfen, die ab Sommer 2021 an der Fassade des Deutschen Auswandererhauses betrachtet werden können.

 

Einen Videobericht von „buten un binnen“ über Alojzija Wilmes' Einwanderungsgeschichte und ihr Fassadenporträt, den Radio Bremen am Mittwoch, 19. August 2020, ausstrahlte, sehen Sie hier.

Die fertige Betonplatte mit dem eingelassen Porträt von Alojzija Wilmes. Daneben die vorgefertigte Matritze für den Herstellungsprozess. © Deutsches Auswandererhaus / Foto: Dominik Laupichler

Architekt Andreas Heller bei der Vorstellung des Konzeptes für die Außenfassade des Neubaus für das Deutsche Auswandererhaus. © Deutsches Auswandererhaus / Foto: Dominik Laupichler

Alojzija Wilmes im Interview mit „buten un binnen“. © Deutsches Auswandererhaus / Foto: Dominik Laupichler

Zeichnung für die Einsetzung der Fassadenportäts in die Rahmen der Betonplatten. © Deutsches Auswandererhaus / Foto: Dominik Laupichler

BWE-Bau Werksleiter Wolfgang Ehrenberg bei der Erläuterung des Herstellungsprozesses in der Produktionshalle in Lemwerder. © Deutsches Auswandererhaus / Foto: Dominik Laupichler

Einer der Produktionshallen der BWE-Bau Fertigteilwerk GmbH in Lemweder. © Deutsches Auswandererhaus / Foto: Dominik Laupichler

Mitarbeiter von BWE-Bau beim Anfertigen der Betonplatten. © Deutsches Auswandererhaus / Foto: Dominik Laupichler