„Wir wachsen mit dem Einwanderungsland Deutschland“

Pünktlich zu seinem 15. Geburtstag feierte das Deutsche Auswandererhaus Bremerhaven am Freitag, 7. August 2020, Richtfest für seinen Neubau – mit einem auf Serbokroatisch verlesenen und ins Deutsche übersetzten Richtspruch. Im Freien – auf dem großen Vorplatz des neuen Museumsbaus – richteten die Bremer Wissenschaftssenatorin Dr. Claudia Schilling und Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz Grußworte an die 200 geladenen Gäste. Wenn das renommierte Migrationsmuseum im Sommer 2021 seinen Neubau einweiht, wird es neben der Dauerausstellung zu 300 Jahren deutscher und europäischer Aus- und Einwanderungsgeschichte ein neues Garagenmuseum, die Academy of Comparative Migration Studies (ACOMIS) und ein multimediales Besucherzentrum präsentieren. Gefördert wird die zweite Erweiterung des Deutschen Auswandererhauses durch den Bund und das Land Bremen mit mehr als zwölf Millionen Euro sowie durch die Stadt Bremerhaven.

Feierliches Richtfest für den Neubau des Deutschen Auswandererhauses, v.l.n.r.: Architekt Andreas Heller, Oberbürgermeister Melf Grantz, Senatorin Dr. Claudia Schilling, Riad Omerovic von der Bremerhavener Jäger Hochbau GmbH, Museumsdirektorin Dr. Simone Eick und Bauherr Nils Schnorrenberger, Geschäftsführer der BEAN. © Deutsches Auswandererhaus / Foto: Dominik Laupichler

"Nach langen harten Arbeitstagen darf ich nun den Richtspruch sagen: Froh schlägt mein Herz, hell strahlt mein Blick, denk’ ich an die Arbeit zurück. Die Arbeiten fleißig und geschickt bezwungen, so dass der Bau recht wohl gelungen. Stolz und froh bin ich und jeder heut, wir waren wackere Handwerksleut’, wir haben tüchtig am Werk gebaut und fest auf unsere Handwerkskunst vertraut. Drum wünsche ich mit Stolz gehobenem Blick dem neuen Bauwerk recht viel Glück."

200 Gäste feierten Bremerhavener Erfolgsgeschichte

„Wir sind ein flexibles, mobiles Museum – wir wachsen mit dem Einwanderungsland Deutschland“, sagte die Direktorin des Deutschen Auswandererhauses Dr. Simone Eick, als sie einen Blick in die 15-jährige Erfolgsgeschichte des ersten Migrationsmuseums in Deutschland warf. Im Jahr 2005 als ein Museum gegründet, das die Geschichte der deutschen und osteuropäischen Überseeauswanderung am historischen Standort – dem einst größten Auswandererhafen Kontinentaleuropas – emotional inszeniert, setzte sich das Haus in seinen Sonderausstellungen schnell auch mit Einwanderungsthemen auseinander. „Nach den zahlreichen Debatten, die in den ersten 2000er Jahren sowohl politisch als auch gesellschaftlich sehr heiß und kontrovers geführt wurden, spürten wir, dass die Zeit gekommen war, Einwanderung auch dauerhaft zu präsentieren“, erläuterte Simone Eick. So eröffnete das Museum 2012 seinen ersten Erweiterungsbau und zeigte fortan 330 Jahre deutscher Einwanderungsgeschichte. Als zwischen 2014 und 2016 rund 1,3 Millionen Geflüchtete insbesondere aus Syrien und Afghanistan nach Deutschland kamen, stellte deren Ankunft das Land vor neue Herausforderungen – und neue Debatten. „Wie wollen wir miteinander leben und wie wollen wir dieses Land gemeinsam gestalten? Das sind die Fragen, die jetzt relevant sind und die wir unseren Besucher*innen künftig auch in unserem neuen Ausstellungsteil stellen werden“, sagte die Migrationsforscherin.

Wissenschaftssenatorin Dr. Claudia Schilling erklärte: „Mit der Erweiterung des Deutschen Auswandererhauses werden die richtigen Weichen gestellt, um den Erfolgskurs des Museums auch in Zukunft fortzusetzen. Als Wissenschaftssenatorin freue ich mich besonders darüber, dass dadurch der wissenschaftliche Schwerpunkt des Forschungsmuseums gestärkt und dieser noch sichtbarer für die Öffentlichkeit gemacht wird. Das Deutsche Auswandererhaus weist mittlerweile eine Strahlkraft auf, die weit über die Landesgrenzen hinausreicht.“

Oberbürgermeister Melf Grantz sagte: „Wie wichtig es ist, Migration in einem größeren Zusammenhang zu sehen, wird uns in Zeiten der Corona-Pandemie eindrucksvoll vor Augen geführt. Hier leistet schon bisher das Deutsche Auswandererhaus einen wichtigen Beitrag, der noch wichtiger und gewichtiger mit dem Neubau und den dort behandelten Themen sein wird. Dafür bin ich den Initiatorinnen und Initiatoren ausgesprochen dankbar.“

Und Bauherr Nils Schnorrenberger, Geschäftsführer der Bremerhavener Entwicklungsgesellschaft Alter/Neuer Hafen mbH & Co. KG., erklärte: „Das Deutsche Auswandererhaus ist ein Erfolgsmodell: Das besucherstärkste Museum im Lande Bremen, immer am Puls der Zeit, wissenschaftlich kompetent begleitet durch eine engagierte Stiftung, im Eigentum einer städtischen Gesellschaft, beherzt und engagiert betrieben durch eine gemeinnützige Gesellschaft. Ein einmaliges Modell, welches erst einmal bis 2035 Bestand haben wird und sicherlich auch darüber hinaus.“

Architekt Andreas Heller zeigte sich besonders froh, dass trotz Corona die Bauarbeiten für den Neubau planmäßig weitergeführt werden konnten und dankte allen beteiligten Handwerkern, insbesondere der Bremerhavener Firma Jäger Hochbau, den Architekt*innen, Planer*innen und Gestalter*innen seines Büros Andreas Heller, Architects & Designers, Hamburg, für deren Einsatz. Auf der Fassade des Museumsneubaus werden mehr als hundert Porträts von 31 Einwander*innen oder deren Nachfahren gezeigt, die reliefartig aus der Betonschicht geschnitten werden und je nach Lichteinfall mal mehr, mal weniger zu sehen sein werden. „Neben der atmosphärischen Architektur des Ursprungsgebäudes, beschreibt der Neubau des Deutschen Auswandererhauses die biographische Seite der Migration. Architektur ist mit der ihr eigenen Ästhetik auch und vor allem eine politische Haltung im Öffentlichen Raum“, erklärte Andreas Heller.

Auch in der aktuellen Corona-Situation wird das Deutsche Auswandererhaus gut besucht und Wartezeiten an der Kasse geduldig akzeptiert. Mitte Juli begrüßte das Erlebnismuseum seine 2,75-millionsten Besucher*innen. Laut einer Studie des Berliner Instituts für Museumsforschung zählt das Deutsche Auswandererhaus zu den 3,4 Prozent der besucherstärksten Museen in der Bundesrepublik.

© Architektur/Visualisierung Andreas Heller Architects & Designers, Hamburg

Bauherrin:

Bauherrin:

Bremerhavener Entwicklungsgesellschaft Alter/Neuer Hafen GmbH & Co.KG