museum4punkt0

Museumsgeschichte erleben

Seit 2016 ist das Deutsche Auswandererhaus Partner des bundesweiten Forschungsprojektes „museum4punkt0 – Digitale Strategien für das Museum der Zukunft“. Darin befasst sich das Museum mit der Frage, wie sich historische und emotionale Aspekte von Migration digital vermitteln lassen. Darüber hinaus sollen Medienkompetenzen vermittelt und den Besucher:innen mithilfe neuer Technologien irrationale Aspekte von Migrationsdebatten vor Augen geführt werden. Gleichzeitig wird die Sammlungstätigkeit des Museums ins Digitale erweitert und um Oral History-Interviews ergänzt.

Der eigenen Meinung auf der Spur 

Fragen stellen und Antworten geben sind wichtige Bausteine im Prozess der Meinungsbildung. Die „Critical Thinking Stations“ entwickeln diesen Grundsatz weiter. Als Bestandteil des Museumsbesuchs laden sie zum Erforschen und kritischen Hinterfragen eigener Sichtweisen ein: An fünf Stationen können Besucher:innen an Touch-Beamern Fragen zu aktuellen sowie historischen Themen zu Migration beantworten. Anonymisiert gespeichert und digital als Diagramme aufbereitet sind die Antworten aller Besuchenden am Ende des Ausstellungsrundgangs sichtbar. Auch können hier eigene Antworten überdacht werden. Das Format „Deep Dive“ versammelt dazu in kurzen Videos und Texten unterschiedliche Perspektiven von Menschen aus Wissenschaft und Gesellschaft. Und regt durch seine interaktive Bedienung dazu an, das Erfahrene in die eigene Meinungsbildung zu integrieren. 

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Nach dem Rundgang durch die Museumsaustellung kann im „Forum Migration“ die Auswertung der Antworten aller Besuchenden angesehen werden.

Quellenarbeit zwischen gestern, heute und morgen 

Lust machen auf die Auseinandersetzung mit alltagsgeschichtlichen Quellen und ihrer Bedeutung für das Verständnis gesellschaftlicher Entwicklungen: Dieses Ziel verfolgt das Deutsche Auswandererhaus in der aktuellen Projektphase. Hierzu entwickelt das vierköpfige Team ein partizipatives Bildungsangebot an den Schnittstellen digitaler und analoger Technik- und Mediennutzung. In diesem interdisziplinären Setting können sich Schüler:innen selbst als Dokumentar:innen der Zeitgeschichte mit eigener Handlungs- und Gestaltungskompetenz erleben. Durch die Verschränkung von kulturhistorischer Sammlung, multiperspektivischen Ausstellungsflächen und cyberphysischen Technologien verbindet sich der Blick in die Geschichte mit dem Blick in Gegenwart und Zukunft – Freude am Entdecken inklusive. 

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Alte Dokumente sind oft spannend, aber schwer zu lesen.

Kommunikationsplattformen

Im neuen Biographien-Portal des Deutschen Auswandererhauses können sich die Nutzer:innen mit ihrer eigenen Lebensgeschichte einbringen oder Sammlungsstücke, Biographien und Geschichte digital miteinander verknüpfen. Die interaktive Plattform erlaubt durch Objekte, Fotos, Videos und Texte einen vielschichtigen Zugang zu Migrationsgeschichten. Kategorien wie Zeiträume, Migrationsarten und -gründe und die intuitive Bedienung sollen neue Verbindungen zwischen Lebensgeschichten und Objekten, zwischen Aus- und Einwanderung entdecken lassen.

Analoge und virtuelle Welten 

Welche Bedeutung haben originale Objekte in Zeiten der Digitalisierung? Lassen sich Empfindungen fremder Menschen besser analog durch biographische Objekte oder digital durch Geschichten vermitteln? In dem Ausstellungsexperiment „KRIEGsgefangen. OHNMACHT. SEHNSUCHT. 1914 – 1921“, das das Deutsche Auswandererhaus zwischen August und November 2018 durchführte, untersuchten die Wissenschaftler:innen, ob und wie sich kognitive Empathie digital vermitteln lässt. In der Ausstellung waren einzelne Inhalte sowohl in klassischen Ausstellungsräumen als auch digital mittels VR-Brillen zugänglich. Auf Basis von Befragungen, an denen Besucher:innen vor und nach dem Ausstellungsbesuch teilnahmen, analysierten die Forscher:innen in einer breit angelegten Studie die unterschiedliche Wirkung dieser Erzählformen. 

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Besucherin mit einer VR-Brille.

Der Verbund 

An dem von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien geförderten Pilotprojekt „museum4punkt0” beteiligten sich im Zeitraum 2017 bis 2020 unter Federführung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und ihrer Staatlichen Museen zu Berlin insgesamt sechs Partner: das Deutsche Auswandererhaus, die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, das Deutsche Museum München, das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz sowie die Fasnachtsmuseen Langenstein und Bad Dürrheim mit weiteren Museen der schwäbisch-alemannischen Fasnacht. 

Dank des „Neustart Kultur“-Programms von Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters, das Kultur im Kontext von Corona und ihren Folgen stärken und zukunftsfähig machen soll, können das Deutsche Auswandererhaus und die anderen Partnermuseen im Jahr 2021 eine weitere Projektphase anschließen. Zu den bisherigen Partner:innen gesellen sich neue Einrichtungen wie die Klassik Stiftung Weimar und das Deutsche Historische Museum in Berlin. 

Weitere Informationen 

Eine Darstellung des bundesweiten Verbundprojektes finden Sie auf museum4punkt0.de

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