Sammeln

Unser Auftrag

Das Deutsche Auswandererhaus Bremerhaven hat sich zum Auftrag gemacht die materiellen und immateriellen Spuren der Migration aus und nach Deutschland seit dem 18. Jahrhundert zu bewahren. Wir wollen die Geschichte und außergewöhnliche Bedeutung von Migration für die Entwicklung von Politik, Kultur und Gesellschaft einem breiten Publikum zugänglich machen und damit einen wichtigen Impuls zu einem stets aktuellen Diskurs geben. Ein besonderes Augenmerk legen wir dabei auf die unmittelbaren Erfahrungen und Lebensgeschichten von Aus- und Einwandernden – die zentralen Handelnden und Zeug:innen von Migration. 

Warum Sammeln?

Geschichte und Ereignisse hinterlassen materielle wie immaterielle Spuren. In Räumen, Gesellschaften und in Menschenleben. Sie alle drohen zu verschwinden: durch Verdrängung, Modernisierungen, durch chemische und physikalische Prozesse – und durch das Vergessen. Gerade die Geschichten jener, die, wie Migrant:innen, viele Kapitel ihres Lebens an unterschiedlichen Orten aufschlugen, verschwinden dabei besonders schnell. Das gleiche gilt für Dokumente rund um Aus- und Einwanderung, die meist privat – jenseits von staatlicher Verwaltung, Bibliotheken oder Firmenarchiven – aufbewahrt wurden und werden.

Ganz gleich ob Briefe, Reiseunterlagen oder Fotografien: Viele verschwinden mit neuen Generationen, die die Geschichten und Gesichter hinter den Dingen nicht mehr kennen. Dabei können uns grade persönliche Objekte einen unersetzbaren Einblick, ein Einfühlen, in historische Ereignisse ermöglichen. In einer Welt, die weiterhin von Migration geprägt wird, ist es eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, Erinnerungsstücke dieser Art zu bewahren, zu diesen Objekten zu forschen und sie etwa in Publikationen und Sonderausstellungen einem weitgefächerten Publikum zugänglich zu machen. Deswegen sammeln wir am Deutschen Auswandererhaus aktiv diese Spuren und Geschichten – und schreibt somit ein Stück Geschichte.

Geschichte der Sammlung

Kurz nach der Fertigstellung des Deutschen Auswandererhauses im Jahr 2005 ergaben sich eine Vielzahl an Gelegenheiten, die vorhandenen Originale der Ausstellung zu ergänzen und zu erweitern – weil etwa zahlreiche Besucher:innen nach ihrem Ausstellungsrundgang an uns herantraten, um unseren Wissenschaftler:innen ihre Familiengeschichte zu erzählen und im Nachgang persönliche Objekt zu überreichen. Seit 2007 sammeln wir als Migrationsmuseum systematisch, um deutsche und osteuropäische Migrationsgeschichte, ihre Spuren und im Besonderen die Lebensgeschichten von Migrant:innen lebendig zu halten. Heute bilden über 3.000 Familiengeschichten und die dazugehörigen Dokumente und Objekte den Kern unserer Museumssammlung. 

Was sammeln?

Migration findet erst seit kurzem eine Würdigung als prägender Teil deutscher und europäischer Geschichte und das individuelle Schicksal der „kleinen Leute“ spielt erst seit wenigen Jahrzehnten eine Rolle in der Auseinandersetzung mit historischen Phänomenen. Vieles wurde und wird bis heute nicht in seinem besonderen Wert für eine Sammlung erkannt. So erfordert das Sammeln von Stücken aus der Migrationsgeschichte eine besondere Sensibilität, verantwortungsvolle Dokumentation und sorgsame, fachgerechte Verwahrung.

Die Sammlungsarbeit des Deutschen Auswandererhauses setzt sich zentral mit dem Zeitraum vom 17. Jahrhunderts bis heute auseinander, mit der deutschen und osteuropäischen Emigration nach Übersee, der internationalen Immigration nach Deutschland sowie der Binnenmigration innerhalb Deutschlands. Die Geschichte der Arbeitsmigration aus Vietnam in die damalige DDR kann dabei ebenso Thema werden wie eine Migrationsgeschichte aus Bremen gen Australien.

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Ein Objekt, Bild oder Dokument mit einer eigenen Geschichte kann dabei auf unterschiedlichste Art und Weise die Sammlung bereichern:

  • als kollektives Gedächtnisobjekt, das vielen Migrierenden ganz konkret begegnete (z.B. Grenzpfähle, Schiffsausstattung)

  • als Objekte, die in einer individuellen Migrationsgeschichte zum Erinnerungsstück oder wichtiger Begleiter wurden (z.B. Kameras, Kleidungsstücke, Talismane)

  • als persönliche und offizielle Original-Dokumente (z.B. Briefe, Reisedokumente, Aufenthaltsgenehmigungen, Arbeitserlaubnis)

  • als Printmedium (z.B. Bücher, Zeitschriften, Landkarten)

  • als Medien (z.B. Filme, Fotos, Tonbandaufnahmen)

  • als Werke der bildenden Kunst (z.B. Graphiken oder Gemälde)

Zudem ist die persönliche Erzählung nicht nur die Chance ein Objekt in Perspektive zu rücken. Erzählungen und unmittelbare Erfahrungen sind auch selbst außergewöhnliche Dokumente der Geschichte. Deswegen sammeln wir auch mündliche Zeugnisse in unserem „Oral History-Archiv“. Ob die eigene Migrationsgeschichte oder der über Generationen bewahrte Bericht von Auswanderung und ihren Folgen für die Angehörigen werden dort schriftlich, auf Tonband oder im Film festgehalten. 

Wir suchen Ihre Geschichte

Sie möchten einen Beitrag zur Forschung leisten? Ihre eigene Erfahrung sicht- und hörbar machen? Oder Sie überlegen, ein besonderes Erinnerungsstück Ihrer Familie anderen Menschen zugänglich zu machen? Setzen Sie sich gerne direkt mit unserer Sammlungsleiterin in Verbindung und kommen Sie mit uns ins Gespräch.

Deutsches Auswandererhaus
Dr. Tanja Fittkau
Columbusstraße 65
27568 Bremerhaven
Tel: 0471 / 90 22 0 - 0
E-Mail: [email protected] 

Objekt des Monats

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein besonderes Objekt unserer Sammlung vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

Objekt des Monats Dezember 2021

Reichsbanknote 100 Mark von 1910

Entdecken Sie seine Geschichte

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