Objekt des Monats

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

Dezember 2021

Reichsbanknote 100 Mark aus dem Jahr 1910

Material

Papier

Maße

10,2 cm x 20,8 cm

Schenkung

Hanna Wolff

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Historische Einordnung

Eine Fülle verschiedener deutscher Landeswährungen ist seit dem Mittelalter Ausdruck der politischen Zerrissenheit Deutschlands. Als das Deutsche Reich 1871 gegründet wird, gehört die Vereinheitlichung des Geldwesens daher zu den wichtigsten Staatsaufgaben. Fünf verschiedene Währungen existieren zu diesem Zeitpunkt noch, mit unterschiedlichen Rechnungssystemen; außerdem kommen die Noten von 33 privaten Banken sowie das Papiergeld von 20 Bundesstaaten und drei Körperschaften hinzu.

Am 4. Dezember 1871 – vor 150 Jahren – wird per Gesetz die Ausprägung von Reichsgoldmünzen angeordnet. Als Währungseinheit wird die Mark zu 100 Pfennigen bestimmt, die als Kompromiss zwischen dem norddeutschen Taler und dem süddeutschen Gulden angesehen wird. Die Ländermünzen nach den alten Münzsystemen bleiben vorläufig weiter im Umlauf, dürfen aber nun nicht mehr geprägt werden; eine Ausnahme stellten Gedenkmünzen dar. Dieses Nebeneinander endet, als Kaiser Wilhelm I. am 9. Juli 1873 ein Münzgesetz unterzeichnet: Die Landeswährungen werden abgeschafft und deren Ländermünzen schrittweise eingezogen.

Neben der Reform des Münzwesens erfolgt auch die der Zahlungsmittel aus Papier. Das von den Bundesstaaten ausgegebene Papiergeld sowie alle nicht auf Reichswährung lautenden Noten unter 100 Mark werden bis Ende 1875 nach und nach eingezogen, die Ausgabe von Reichspapiergeld angekündigt. Den Abschluss der Geldreform bildet das Bankgesetz vom 14. März 1875, das zugleich die Geburtsstunde der zentralen deutschen Notenbank darstellt: Mit Wirkung vom 1. Januar 1876 gilt im gesamten Reichsgebiet nur noch die neue Währung.

Kurzbiographie

Im Jahr 1923 wird die junge Weimarer Republik von einer schweren wirtschaftlichen Krise erschüttert. Die 17-jährige Martha Hüner aus Geestemünde hat zwar eine Arbeit, doch reicht ihr Lohn kaum für das Notwendigste zum Leben. Schon seit ihrem 15. Lebensjahr ist Martha als Kindermädchen und Haushilfe in der Familie eines Zimmermanns angestellt. Mit dem wenigen was sie verdient, unterstützt sie ihre Eltern und die zwei jüngeren Schwestern.

Ihre beiden nach Amerika ausgewanderten Tanten Käthe und Johanne berichten dagegen in Briefen von Wohlstand und guten Verdienstmöglichkeiten. Sie ermutigen ihre Nichte, ihnen in die USA zu folgen. Tatsächlich entschließt sich Martha im Sommer 1923 zum Aufbruch. Ihre Tante Käthe organisiert die Bürgschaft, bezahlt die Schiffspassage und lässt Martha noch ein Reisegeld zukommen.

In Amerika lernt Martha den deutschstämmigen Bäcker Willy Seegers kennen und heiratet ihn in ihrem zweiten Jahr in den USA. Gemeinsam eröffnen sie 1932 eine Bäckerei in New Jersey. Marthas Leben bleibt bewegt und ist von Höhen und Tiefen gekennzeichnet. In den 1980er-Jahren, nach dem Tod ihres Mannes, verspürt die alte Dame Heimweh, so dass ihre Schwester Hanna und deren Mann sie bald nach Bremerhaven holen. Nur zwei Tage nach ihrem Geburtstag stirbt Martha Seegers am 3. Juli 1987 im Alter von 81 Jahren kinderlos im Hause ihrer anderen Schwester Käthe.

Bedeutung des Objekts

Migration und Geld sind seit je her eng miteinander verknüpft. Geld steht für Besitz, Arbeit, ein (gutes) Auskommen – die Hoffnung, all dies zu erreichen, stellt für viele Menschen die Motivation für eine Migration dar. Nicht Wenige unterstützen ihre zurückgebliebenen Angehörigen später, wenn sie sich etabliert haben, mit Geldsendungen – so auch Martha Hüner. Geld entscheidet aber vor allem darüber, wer überhaupt auswandern kann und wohin. Reichen die aufbringbaren finanziellen Mittel nicht, bleibt die Auswanderung nur ein Traum.

Haben auch Sie …

… eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Dr. Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: [email protected]

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