Bremerhaven, 30 Juli 2025

20 Jahre Deutsches Auswandererhaus

bearbeitet_Deutsches-Auswandererhaus-Ensemble-Hafenansicht-1-COPYRIGHT-Deutsches-Auswandererhaus-FOTO-Werner-Huthmacher

Seit zwei Jahrzehnten erzählt das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven von Aus- und Einwanderung. Jenseits medialer Aufregung und gesellschaftlicher Ermüdung um Migrationsdebatten: Das Museum ist bis heute einer der Publikumsmagneten Norddeutschlands.

Lange war Migration als Thema in Museen und öffentlichen Erinnerungsorten in Deutschland wenig sichtbar. Vor 20 Jahren änderte sich das: Mit der Eröffnung des Deutschen Auswandererhauses in Bremerhaven im Jahr 2005 entstand das erste Migrationsmuseum in Deutschland, das Geschichte und Gegenwart von Aus- und Einwanderung sichtbar und erfahrbar macht. Das Haus füllte eine erinnerungskulturelle Lücke und schuf durch biographisch geprägte Migrationserzählungen wertvolle Ergänzungen und alternative Perspektiven zu national geprägten Geschichtsnarrativen. Mehr als 3,35 Millionen Gäste aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt haben das mehrfach ausgezeichnete Haus seither besucht. Sie finden dort weit mehr als eine klassische historische Darstellung der üblichen Fakten: Das Museum hat sich zu einem lebendigen Ort des Dialogs und der Auseinandersetzung entwickelt, der zeigt, wie eng persönliche Geschichten und globale Entwicklungen verknüpft sind.

Die Vielseitigkeit, mit der das Deutsche Auswandererhaus das Thema Migration vermittelt, zeigt sich zum einen in den zweimaligen baulichen wie inhaltlichen Erweiterungen der Dauerausstellung 2012 und 2021, die zudem Einwanderungsgeschichte nach Deutschland deutlich sichtbar in der deutschen Museumslandschaft machten. Zum andern zeigt sich die Vielseitigkeit in der beeindruckenden Anzahl von Sonderausstellungen: 40 Fokusausstellungen mit unterschiedlichsten Schwerpunkten hat das Museum seit seiner Eröffnung präsentiert: So rückte etwa „Nach Buenos Aires!“ 2008 deutsche Auswander:innen und Flüchtlinge nach Argentinien sowie ihre Nachfahren in den Fokus; 2014/15 beleuchtet eine Ausstellung über Displaced Persons (DPs) das weniger bekannte Kapitel wie und wohin Holocaustüberlebende nach dem Zweiten Weltkrieg zogen. Auch bisher eher unbeachtete Einwanderungsgruppen werden immer wieder in den Blick genommen: Die Ausstellung „…bisschen anders, aber genauso“ widmete sich 2022 den Kubaner:innen, die in der DDR ein neues Zuhause fanden und nach der Wiedervereinigung ihren Platz in der Bundesrepublik neu aushandeln mussten. Mit der aktuellen Ausstellung „VERLOCKUNG WELTALL. AUSWANDERN AUF MOND, MARS, VENUS?“ thematisiert das Museum nun Auswanderung als Zukunftsvision.

Die Geschichte des Deutschen Auswandererhauses selbst beginnt in den 1980er Jahren. Ein Freundeskreis für ein Auswanderermuseum baute nicht nur eine Bibliothek und Grafiksammlung auf, sondern gründetet zusammen mit anderen europäischen Hafenstädten das Netzwerk AEMI zur Erforschung der Geschichte der Auswanderung. Auch die Sammlung des Museums wurde maßgeblich mit Hilfe von Privatpersonen begründet: Seit der Ankündigung des Museumsprojekts gelangten so mehr als 3.000 Familiengeschichten mit mehr als 35.000 Objekten zur Aus- und Einwanderungs-geschichte seit dem 17. Jahrhundert ans Haus und bilden heute eine einzigartige Museumssammlung.

Aus dem ursprünglich als historisches Museum gedachten Ort ist seitdem ein lebendiges Forum geworden. Als „Dritter Ort“ schafft das Museum Raum für Reflexion, Austausch – und für gute gemeinsame Zeit. Mit partizipativen Formaten zeigte das Deutsche Auswandererhaus schon früh, dass Museen mehr sind als reine Faktenvermittler: nämlich Orte der Begegnung, Aushandlung und Diskussion einer gemeinsamen Welt. Damit ist das Haus auch als außerschulischer Lernort für Schul- und andere Bildungsgruppen attraktiv.
Der damalige Bundespräsident Joachim Gauck schrieb 2015 ins Gästebuch:
„Als Schüler hätte ich mich gefreut, auf diese Weise Geschichte zu lernen. Es ist ein Erlebnis – man sieht, dass sich die jungen Menschen hier wohlfühlen.“

„Wir leben zusammen.“ Dieser Schriftzug an der Fassade des Deutschen Auswandererhauses bringt auf den Punkt, wofür das Museum bis heute in Zeiten eines polarisierenden gesellschaftlichen Diskurses weiter steht: für eine offene, vielfältige Gesellschaft. Migration wird hier nicht als Ausnahme, sondern als Normalität erzählt – als Teil gemeinsamer Geschichte.

Geburtstagsparty am 8. August 2025

Zum 20-jährigen Bestehen lädt das Deutsche Auswandererhaus am ursprünglichen Eröffnungstag, dem 8. August, zu einem abwechslungsreichen Festtag ein – mit Eintrittspreisen wie 2005, Walking Acts, Mitmachaktionen, Jubiläumsquiz, Filmbeiträgen und kulinarischen Highlights von American Classics bis Space-Food.

Programmhöhepunkte:

  • Für jeden 500. Besuchenden: Reise nach Antwerpen inkl. Besuch des Red Star Line Museums

  • Musik in der Ausstellung (11–17 Uhr)

  • Videoclips aus 20 Jahren im Roxy-Kino (10–18 Uhr)

  • Selfie-Wettbewerb für Jugendliche & Quiz für alle Altersgruppen

  • Essen & Trinken von 12–22 Uhr im Speisesaal

Ab 20 Uhr steigt die große Geburtstagsparty auf der Terrasse mit freiem Eintritt: DJ Ipek Ipekçioglu, Musiker Ceyhun Kaya und Visual Artist Mahir Duman sorgen für einen klang- und bildgewaltigen Ausklang.