Am Freitag, den 31. Oktober 2025, um 19:30 Uhr begrüßt das Deutsche Auswandererhaus zwei herausragende Stimmen der jungen deutschsprachigen Literatur: Dmitrij Kapitelman und Yevgeniy Breyger. Beide in der Ukraine geboren, schreiben sie auf Deutsch – Kapitelman Prosa, Breyger Lyrik. Ihre aktuellen Werke zeigen auf eindrucksvolle Weise, wie politische Gewalt und Krieg bis in die persönlichsten Lebensbereiche und in die Sprache selbst hineinreichen – und zugleich, wie Sprache einen Raum eröffnen kann, das Unaussprechliche zu fassen und Trost zu spenden.
Kapitelman erzählt in Russische Spezialitäten (Hanser Berlin, 2025) die Geschichte einer ukrainisch-jüdisch-moldawischen Familie, die in Leipzig russische Spezialitäten verkauft. Zwischen Mutter und Sohn entfaltet sich ein schmerzhafter Konflikt: Während die Mutter Putins Propaganda glaubt, versucht der Sohn, sie mit einer Reise nach Kyiw von den Lügen des Regimes zu überzeugen. Mal herzzerreißend, mal komisch zeigt Kapitelman, wie der Krieg Trennlinien zieht – in Familien, Freundschaften und in der Sprache. „Ich bin ukrainischer Jude in Deutschland, aber ich liebe diese Sprache“, sagt der Erzähler über seine russische Mutter-Sprache – und umreist damit ein zentrales Thema des Romans: das Ringen um seine Sprache, die plötzlich der des Aggressors geworden ist.
Auch Yevgeniy Breyger sucht in seinem Gedichtband Frieden ohne Krieg (kookbooks, 2023) nach Ausdrucksformen für den inneren Aufruhr, den Krieg und Gewalt hinterlassen. "Es ist krieg in mir, der will mich ziehn / zieht aber andre / und ich denk mich nur / denk hin." Breygers Gedichte sind ein poetisch-persönliches Kriegsjournal, das sich ebenfalls mit der Sprache auseinandersetzt: Denn beide Muttersprachen, Deutsch wie auch Russisch, sind für Breyger als russischsprachigen ukrainischen Juden belastet. Der Gedichtband endet indes mit einem vorsichtigen Blick nach vorn: "und aus dem alten erwächst neues. wird alt, hab keine sorge". Frieden ohne Krieg ist ein trauriges, ein zorniges, aber zugleich tröstliches Werk.
Beide Autoren lesen aus den genannten Werken, moderiert wird die Veranstaltung von Klaas Anders. Sie ist Teil des globale° Literaturfestivals sowie der Reihe „Shifting Grounds“ des Deutschen Auswandererhauses in Kooperation mit der Heinrich Böll-Stiftung Bremen. Diese Reihe stellt Beispiele aus Kunst und Kultur vor, die widerständig sind, und gibt ihnen eine Bühne.
Shifting Grounds wird gefördert von der Dieckell Stiftung.
Im Rahmen der globale° findet die Veranstaltung in Kooperation mit der Arbeitnehmerkammer Bremen statt.
Der Eintritt ist frei. Aufgrund begrenzter Plätze wird um Anmeldung gebeten unter Tel. 0471-90 22 00 oder veranstaltungen@dah-bremerhaven.de
Pressekontakt:
Judith Zimmermann, Tel.: 0471 / 90 22 0 – 208
Magdalena Gerwien, Tel.: 0471 / 90 22 0 – 205
presse@dah-bremerhaven.de
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Yevgeniy Breyger © Marc Krause
Dimitrij Kapitelman © Paula Winkler
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