Museen unter politischem Druck:
DAH startet Vortragsreihe „Shifting Grounds“

Das Deutsche Auswandererhaus lädt in Kooperation mit der Heinrich Böll-Stiftung Bremen zur Vortragsreihe „Shifting Grounds“ ein – eine Entdeckungsreise durch die Widerstandskraft von Kunst und Kultur in Zeiten großer Umbrüche. Die Auftaktveranstaltung der Reihe am 21.10.2025, 18:00 Uhr wendet sich dabei der Museumsarbeit selbst zu. Wie reagieren Museen auf politische Eingriffe? Welche Strategien entwickeln sie, um ihre Inhalte zu verteidigen – und wo stoßen sie an Grenzen?

Erst kürzlich machte Schlagzeilen, dass die Museen an der National Mall in Washington D.C., die größtenteils von der Smithsonian Institution betrieben werden und explizit nationale Identität vermitteln sollen, unter der Trump-Administration einer kritischen Prüfung unterzogen werden. Der Hintergrund: Die Frage nationaler Identität wurde in den USA in den letzten Jahrzehnten zunehmend komplexer betrachtet, und so wandelten sich auch die Smithsonian-Museen deutlich. Es entstanden unter anderem ein Museum für afroamerikanische Geschichte und Kultur sowie ein Frauenmuseum, die das Spektrum der nationalen Narrationen erweitern. Trump verfügte nun, dass alle laufenden und geplanten Projekte offengelegt sowie „spaltende Narrative“ entfernt werden. Es kann dies als ein Versuch bewertet werden, die Vielfalt historischer Perspektiven auf eine makellose Erfolgsgeschichte der Nation zu reduzieren.

Ein ähnliches Beispiel gab es vor etwa zehn Jahren in Polen: Das geplante Museum des Zweiten Weltkriegs in Gdańsk geriet ins Visier der nationalkonservativen PiS-Regierung. Ihr Ziel war es, die polnische Perspektive in den Vordergrund zu rücken und eine nationale Identität zu betonen, die auf Märtyrer- und Heldentum gründet, während der Gründungsdirektor Paweł Machcewicz den europäischen Kontext des Zweiten Weltkriegs in den Blick genommen und das Schicksal der Zivilbevölkerung in den Mittelpunkt gestellt hatte. Paweł Machcewicz kämpfte erfolgreich gegen massiven politischen Druck, und es gelang ihm, im Frühjahr 2017 die Hauptausstellung in der geplanten Form zu veröffentlichen. Kurze Zeit später wurde das Museum neu organisiert und ein neuer Direktor eingesetzt.

Paweł Machcewicz wird am 21. Oktober 2025 um 18:00 Uhr im Deutschen Auswandererhaus die Ereignisse um das Museum des Zweiten Weltkriegs in Gdańsk darstellen sowie aus seiner heutigen Perspektive bewerten.

Ihm zugeschaltet wird ein Vertreter eines amerikanischen Museums: Edward Tepporn ist Executive Director der Angel Island Immigration Station Foundation in San Francisco. Seine Einrichtung bewahrt das Erbe der Angel Island Immigration Station – eines historischen Ortes der Kontrolle und Ausgrenzung asiatischer Migrant:innen – und verbindet dies mit heutigen Migrationserfahrungen. Thematisch ist das Museum eng mit dem Deutschen Auswandererhaus verwandt; beide sind Mitglieder des AEMI-Verbunds (Association of European Migration Institutions).

Unter der Moderation von Marie Grünter, Kuratorin und Historikerin am Deutschen Auswandererhaus, tauschen sich beide Experten über ihre Erfahrungen und Strategien aus, wie sich Museen in Zeiten politischen Drucks behaupten.

Die Veranstaltung findet auf Englsich statt. Eintritt frei. Aufgrund begrenzter Plätze wird um Anmeldung gebeten unter
Tel. 0471-90 22 00 oder veranstaltungen@dah-bremerhaven.de

Die Reihe wird gefördert von der Dieckell Stiftung

Pressekontakt:
Judith Zimmermann, Tel.: 0471 / 90 22 0 – 208
Magdalena Gerwien, Tel.: 0471 / 90 22 0 – 205
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