Kalliope-Preis für praxisnahe Migrationsforschung

Die Stiftung Deutsches Auswandererhaus und das Deutsche Auswandererhaus verleihen alle zwei Jahre den „Kalliope-Preis für praxisnahe Migrationsforschung“. Er ist mit 20.000 Euro dotiert.

Der Kalliope-Preis 2019 steht unter der Schirmherrschaft von Dr. Wolfgang Schäuble, Präsident des Deutschen Bundestages.

Bewerbungsfrist ist der 15. September 2019.

Ausschnitt aus einem Bilderbogen. Cesare Ripa, Paris, 1677.

Preis

Mit dem Kalliope-Preis für praxisnahe Migrationsforschung fördern die Stiftung Deutsches Auswandererhaus wissenschaftliche Arbeiten und (Universitäts-)Projekte, deren Forschungsergebnisse Kultur- und Bildungseinrichtungen helfen, Migration nachhaltig und global zu vermitteln. Dabei interessieren vor allem Forschungsarbeiten, die die gesellschaftlichen Veränderungen durch Migration verdeutlichen. Ziel ist es darüber hinaus, die Zusammenarbeit zwischen Universitäten bzw. außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Museen zu fördern, um die Forschungsergebnisse in Museen einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Der Preis zeichnet eine*n Wissenschaftler*in bzw. einen universitären Fachbereich oder eine Abteilung einer außeruniversitären Forschungseinrichtung für zwei Einreichungen aus, die beide zusammen die Bewerbung ausmachen:

(1) Eine bereits fertiggestellte wissenschaftliche Arbeit oder ein fertiges Projekt zu einem der folgenden Themen:

> Akkulturationsprozesse
> Werte und Normen eines transkulturellen Zusammenlebens
> Kulturelle Diversität und soziale Mobilität
> Selbst- und Fremdwahrnehmung
> Rassismus in Einwanderungsgesellschaften

Ausgezeichnet werden wissenschaftliche Arbeiten und Universitätsprojekte (Programme, Initiativen, Publikationen) zur Einwanderung nach Europa oder zur europäischen Auswanderung nach Übersee.

(2) Eine Idee für ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Deutschen Auswandererhaus zu einem feststehenden Thema. Für den Kalliope-Preis 2019 lautet dieses Thema:
Recht auf Freizügigkeit. Was einer darf, dürfen alle?

Ziel des Kooperationsprojektes ist es, gemeinsam

> ein Forschungs-/Bildungsprojekt oder
> eine Fachkonferenz oder
> eine Publikation

zu entwickeln und umzusetzen. Seitens des Deutschen Auswandererhauses stehen für das Gemeinschaftsprojekt seine europaweit einzigartige Museumssammlung zur Aus- und Einwanderungsgeschichte sowie Expert*innen zur historischen Migrationsforschung und Migrationsmuseologie zur Verfügung. Räumlichkeiten für Konferenzen mit bis zu 150 Personen sind ebenfalls vorhanden.

 

Preisgeld

Das Preisgeld beträgt 20.000 Euro.

Ein Teil des Preisgeldes (7.500 Euro) geht zur freien Verfügung an das Institut oder den Fachbereich / die kooperierenden Fachbereiche bzw. die Verfasserin / den Verfasser des ausgezeichneten wissenschaftlichen Werkes/Projektes.

Mit dem anderen Teil des Preisgeldes (12.500 Euro) wird ein Kooperationsprojekt zwischen dem/der Preisträger*in und dem Deutschen Auswandererhaus verwirklicht. Dieser Teil des Preisgeldes ist unter anderem für Honorare, Personal-/Sachmittel sowie Reise- und andere Kosten, die dem/der Preisträger*in durch das Kooperationsprojekt entstehen, vorgesehen. Idealerweise werden in dieses Projekt noch andere Museen oder Universitäten bzw. außeruniversitäre Forschungseinrichtungen eingebunden.

Das Preisgeld hat mit Dr. Joachim Ditzen-Blanke, dem Herausgeber der Nordsee-Zeitung, ein langjähriger Förderer und großzügiger Unterstützer des Deutschen Auswandererhauses gestiftet.

 

Bewerbung

Wer darf sich bewerben?

Bewerben dürfen sich Wissenschaftler*innen, die an einer Universität oder außeruniversitären Forschungseinrichtung in Europa beschäftigt sind.

Auf welchem Wege dürfen die Bewerbungen eingereicht werden?

Die vollständigen Bewerbungsunterlagen müssen über die Instituts- oder Fachbereichsverwaltung der Universität bzw. die Abteilungsleitung der Forschungsinstitution eingereicht werden.

Was muss eine Bewerbung unbedingt enthalten?

> die wissenschaftliche Arbeit bzw. Beschreibung des durchgeführten und bereits abgeschlossenen Forschungsprojektes;
> eine maximal zweiseitige Zusammenfassung dieser Arbeit bzw. dieses Projektes;
> ein Bewerbungsschreiben, in dem die Intention dieser Arbeit bzw. dieses Projektes vorgestellt und der praxisnahe Nutzen für die breite Öffentlichkeit dargestellt wird;
> eine maximal zweiseitige Ideenskizze für das Kooperationsprojekt zum Thema „Recht auf Freizügigkeit. Was einer darf, dürfen alle?“, das mit dem Deutschen Auswandererhaus und ggf. weiteren Partnern durchgeführt werden soll.

Wann ist Bewerbungsschluss?

Am 15. September 2019.
Es gilt das Datum des Poststempels.

Wann wird der Preis verliehen?

Die Preisverleihung findet am 23. November 2019 im Deutschen Auswandererhaus statt.

Wohin schicke ich meine Bewerbungsunterlagen?

Bewerbungen sind in deutscher oder englischer Sprache zu richten an:

Stiftung Deutsches Auswandererhaus
KALLIOPE-PREIS
Columbusstraße 65
D-27568 Bremerhaven
Deutschland

An wen wende ich mich, wenn ich Fragen zur Ausschreibung habe?

Stiftung Deutsches Auswandererhaus
Projektassistenz KALLIOPE-PREIS
Tel.: +49 (0) 471 / 90 22 0 - 203
E-Mail: kalliope@dah-bremerhaven.de

Hier können Sie die ausführliche Bewerberbroschüre als pdf-Datei herunterladen.

Dr. Wolfgang Schäuble, Präsident des Deutschen Bundestages. / Foto: Laurence Chaperon

Schirmherrschaft 2019

Dr. Wolfgang Schäuble, Präsident des Deutschen Bundestages

Lesen Sie hier das Grußort des Schirmherren.

 

Jury 2019

> Christian Sievers, ZDF-Journalist und Moderator der „heute“-Sendung
> Prof. Klaus Vogel, Vorsitzender des Stiftungsvorstands Deutsches Hygiene-Museum, Dresden
> Staatsrat Jörg Schulz, Vorstandsvorsitzender Stiftung Deutsches Auswandererhaus, Bremerhaven
Matthias Ditzen-Blanke, Stiftungsratsvorsitzender Stiftung Deutsches Auswandererhaus, Bremerhaven
Dr. Simone Eick, Direktorin, Deutsches Auswandererhaus, Bremerhaven

 

Kalliope

Kalliope ist die älteste und weiseste der neun Musen. Als Namensgeberin für den Preis wurde sie ausgewählt, weil sie Museen mit Forschung, Weisheit und Schönheit verbindet: Das Wort Museum leitet sich vom altgriechischen Wort für „Musentempel“ ab. Der Name Kalliope bedeutet auch die Schönstimmige. Zudem gilt sie als Muse der Wissenschaft und der Philosophie.

Der Kalliope-Preisträger 2017: Prof. Dr. Christoph A. Rass. / Foto: Antje Schminke

Preisträger 2017

Prof. Dr. Christoph A. Rass
Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück

Mit dem Kalliope-Preis 2017 ausgezeichnet wurde Prof. Dr. Christoph A. Rass für ein von ihm entwickeltes Workshop-Format, das Familiengeschichte als Migrationsgeschichte betrachtet. Das Projekt fördert das Wissen darüber, dass familiäre Migrationserfahrungen in Deutschland mehrheitlich geteilt werden und diese die Gesellschaft verbinden - und nicht spalten. So haben nicht nur die Nachfahren der 12,5 Millionen deutschen Flüchtlinge und Vertriebenen, sondern etwa auch die der Ruhrpolen familiäre Erfahrungen, die sie mit den Nachfahren der „Gastarbeiter“ oder mit syrischen/afghanischen Bürgerkriegsflüchtlingen teilen können. „Die Workshop-Teilnehmer entdecken ihre eigene Familiengeschichte neu. Und so gelingt es Professor Rass mit seinem Projekt, eine Trennung zwischen uns, den Sesshaften, und den anderen, den Migranten, aufzuheben“, hieß es in der Begründung der Jury.

In seinem Workshop sucht der Migrationsforscher gemeinsam mit den Teilnehmer*innen die Lebensorte ihrer direkten Vorfahren über vier Generationen und stellt diese auf Karten dar. So wird deutlich, dass alle Familien in einem Zeitraum von 100 Jahren über kleinere oder größere Distanzen in Bewegung sind. Und es lassen sich Schnittstellen mit Blick auf die Motive für eine Migration in vielen Familiengeschichten aufzeigen – so zum Beispiel Flucht und Vertreibung, die Suche nach einem besseren Leben oder nach besseren Bildungsmöglichkeiten und sogar die Liebe, die nicht selten als Grund für eine Auswanderung genannt wird.

Hier erfahren Sie mehr über den Kalliope-Preisträger 2017.

Jury 2017

> Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin
> Constantin Schreiber, Journalist, Autor und Moderator der Tagesschau
> Staatsrat Jörg Schulz, Vorstandsvorsitzender Stiftung Deutsches Auswandererhaus, Bremerhaven
Matthias Ditzen-Blanke, Stiftungsratsvorsitzender Stiftung Deutsches Auswandererhaus, Bremerhaven
Dr. Simone Eick, Direktorin, Deutsches Auswandererhaus, Bremerhaven

Gewann den im Jahr 2015 erstmals verliehenen Kalliope-Preis für praxisnahe Migrationsforschung: Prof. Dr. Markus Siedemann. / Foto: Jan Meier

Preisträger 2015

Prof. Dr. Markus Tiedemann
Institut für vergleichende Ethik der Freien Universität Berlin

Prof. Dr. Markus Tiedemann hat sich um die interkulturelle Verständigung in der Schule in Theorie und Praxis verdient gemacht. Das mit dem Kalliope-Preis für praxisnahe Migrationsforschung 2015 ausgezeichnete Projekt stellt „die Schulung philosophischer Urteilskraft“ in den Vordergrund und versucht unter anderem, dem „Werte-Vermittlungsdilemma“ in der interkulturell geprägten Gesellschaft des 21. Jahrhunderts entgegen zu wirken.

Die Wissenschaftler um Markus Tiedemann haben konkrete Hilfestellungen „für Lehrer, Pädagogen und streitbare Bürger“ entwickelt: Die Publikation Unsere Tochter nimmt nicht am Schwimmunterricht teil! greift 50 religiös-kulturelle Konfliktfälle auf, mit denen Lehrkräfte und das Leitungspersonal verschiedener Schulformen konfrontiert werden – zum Beispiel: „Unser Sohn gibt einer Frau nicht die Hand!“, „Unser Kind muss während des Schultages beten können!“ oder „Unser Kind darf die Vertreibung der Armenier nicht als Völkermord bezeichnen!“ Hierfür befragten die Wissenschaftler Lehrkräfte und das Leitungspersonal verschiedener Schulformen systematisch nach Vorkommnissen in ihrem Alltag.

Der Ratgeber, den Religionswissenschaftler, Juristen und Philosophen/Ethiker gemeinsam erarbeitet haben, informiert über die kulturellen Wurzeln der jeweiligen Forderungen und alternative Deutungen dieser Traditionen, stellt die geltende Rechtslage dar und spricht konkrete Empfehlungen aus.

Hier erfahren Sie mehr über den Kalliope-Preisträger 2015.

Jury 2015

Prof. Dr. Christine Langenfeld, Vorsitzende des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration, Berlin
Prof. Dr. Bernd M. Scherer, Intendant Haus der Kulturen der Welt, Berlin
> Oberbürgermeister a.D. Jörg Schulz, Vorstandsvorsitzender Stiftung Deutsches Auswandererhaus, Bremerhaven
Matthias Ditzen-Blanke, Stiftungsratsvorsitzender Stiftung Deutsches Auswandererhaus, Bremerhaven
Dr. Simone Eick, Direktorin, Deutsches Auswandererhaus, Bremerhaven

 

Stiftung Deutsches Auswandererhaus

Stiftung Deutsches Auswandererhaus

Die Stiftung Deutsches Auswandererhaus wurde im Januar 2006 gegründet. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Forschungs- und Ausstellungsprojekte des Deutschen Auswandererhauses zu unterstützen und das Museum international zu verankern.

Die Stiftung verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke und möchte das Museum in die Lage versetzen

> Exponate zum Thema Migration zu erwerben
> die Sammlung zu erweitern und wissenschaftlich zu bearbeiten
> Forschungsergebnisse zu veröffentlichen
> sein Archiv und seine Bibliothek auszubauen
> Ausstellungsprojekte zu verwirklichen

Der Sitz der Stiftung liegt in Bremerhaven. Die Stadt an der Wesermündung war der größte kontinentaleuropäische Auswandererhafen, von dem zwischen 1830 und 1974 mehr als 7,2 Millionen Menschen nach Übersee aufgebrochen sind. An diesem historischen und authentischen Standort wurde im August 2005 das Deutsche Auswandererhaus eröffnet. Nur knapp ein halbes Jahr später schlossen sich Vertreter der Bremerhavener Wirtschaft, die Stadt Bremerhaven und die Betreibergesellschaft des Museums zusammen, um die Stiftung Deutsches Auswandererhaus zu gründen und damit das Haus darin zu unterstützen, seine schon in der Gründungsphase begonnene museologische und wissenschaftliche Arbeit fortsetzen zu können.