Kalliope-Preis
für praxisnahe Migrationsforschung
Die Stiftung Deutsches Auswandererhaus und das Deutsche Auswandererhaus verleihen regelmäßig den Kalliope-Preis für praxisnahe Migrationsforschung. Der Preis ist mit insgesamt 20.000 Euro dotiert.
Ausgezeichnet werden wissenschaftliche Arbeiten und universitäre Projekte, deren Forschungsergebnisse Kultur- und Bildungseinrichtungen dabei unterstützen, Migration nachhaltig und in einem globalen Kontext zu vermitteln. Ein besonderer Fokus liegt auf der Praxisnähe der Forschung – ganz im Sinne des Ansatzes des Deutschen Auswandererhauses, die deutsche Migrationsgeschichte informativ, anschaulich und für unterschiedliche Zielgruppen zugänglich aufzubereiten, um eine breite Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren.
Der Preis richtet sich an Wissenschaftler:innen, universitäre Fachbereiche oder Abteilungen außeruniversitärer Forschungseinrichtungen. Die Bewerbung besteht aus zwei miteinander verbundenen Einreichungen zu einem vorgegebenen Thema:
- einer wissenschaftlichen Arbeit oder einem Essay sowie
- einer Projektidee für ein mögliches Gemeinschaftsprojekt mit dem Deutschen Auswandererhaus zu einem festgelegten Thema.

Preisträger
Preisträger 2023
Prof. Dr. Birgit Glorius, Dr. Friederike Enßle-Reinhardt, Stephan Schurig und Hanne Schneider
Professur Humangeographie mit dem Schwerpunkt Europäische Migrationsforschung an der Technischen Universität Chemnitz

Der Forschungsansatz der Gewinner:innen untersucht Ortschaften als soziale Räume, die wesentlich von Migration geprägt werden. Die Einbeziehung von Bürger:innen vor Ort erlaubt dabei eine neue Selbstwahrnehmung im Zusammenhang mit Migration. So wird – wie es in der prämierten Einreichung heißt – globale Migrationsgeschichte „in den Erinnerungsteppich einer lokalen Gesellschaft eingewoben“. Unter dem Stichwort der Citizen Science werden dabei auf Augenhöhe Bürger:innen in die Forschung eingebunden, u.a. bei der Entwicklung von Stadtrundgängen. Das Projekt mündete in die Ausstellung „Aufbrüche – Umbrüche: Ein Dialog zwischen Bremerhaven und Chemnitz“, die sowohl in Chemnitz als auch in Bremerhaven präsentiert wurde. Sie zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Städte in ihrer Geschichte, beginnend mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Eines der verbindenden Elemente ist dabei, wie Wirtschaft und lokales Leben von und mit Zugewanderten gestaltet wurden und werden.
Preisträger 2019
Prof. Dr. Peter Frankopan
Professor für Globalgeschichte an der Universität Oxford und der Stavros Niarchos Foundation, Direktor des Oxford Zentrums für Byzanzforschung

Der Oxford-Professor und Bestsellerautor Prof. Dr. Peter Frankopan wurde für seine Forschung zur Globalgeschichte durch das Werk Silk Roads ausgezeichnet. In seinem Werk werden neue Perspektiven auf das Weltgeschehen eröffnet und globale Zusammenhänge aus einem nicht-eurozentrischen Blickwinkel erschlossen. Das prämierte Kooperationsprojekt behandelt das Thema Sprache: Mit einem von Prof. Dr. Frankopan entwickelten Fragenkatalog wird zusammen mit dem Deutschen Auswandererhaus eine Studie erhoben, die den Zusammenhang zwischen Mehrsprachigkeit und Akkulturation im Einwanderungsland untersucht. Mithilfe der Studie werden die Auswirkung von Erwerb und Anwendung mehrerer Sprachen auf die Einstellungen der Befragten gegenüber Mobilität untersucht. Die Ergebnisse sollen multiperspektivische Sichtweisen auf das Thema Sprache und Migration eröffnen und zur Orientierung dienen, welche weiteren Sprachen in den schulischen Lehrplan aufgenommen werden könnten.
Preisträger 2017
Prof. Dr. Christoph A. Rass
Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien der Universität Osnabrück

Mit dem Kalliope-Preis 2017 ausgezeichnet wurde Prof. Dr. Christoph A. Rass für ein von ihm entwickeltes Workshop-Format, das Familiengeschichte als Migrationsgeschichte betrachtet. Das Projekt fördert das Wissen darüber, dass familiäre Migrationserfahrungen in Deutschland mehrheitlich geteilt werden und diese die Gesellschaft verbinden – und nicht spalten.
„Die Workshop-Teilnehmer:innen entdecken ihre eigene Familiengeschichte neu. Und so gelingt es Professor Rass mit seinem Projekt, eine Trennung zwischen uns, den Sesshaften, und den anderen, den Migranten, aufzuheben“, hieß es in der Begründung der Jury.
Preisträger 2015
Prof. Dr. Markus Tiedemann
Institut für vergleichende Ethik der Freien Universität Berlin

Prof. Dr. Markus Tiedemann hat sich um die interkulturelle Verständigung in der Schule in Theorie und Praxis verdient gemacht. Das mit dem Kalliope-Preis 2015 ausgezeichnete Projekt stellt die Schulung philosophischer Urteilskraft in den Vordergrund und versucht unter anderem, dem Werte-Vermittlungsdilemma in der interkulturell geprägten Gesellschaft des 21. Jahrhunderts entgegenzuwirken.
Die Wissenschaftler:innen um Markus Tiedemann haben konkrete Hilfestellungen „für Lehrer, Pädagogen und streitbare Bürger“ entwickelt: Die Publikation Unsere Tochter nimmt nicht am Schwimmunterricht teil! greift 50 religiös-kulturelle Konfliktfälle auf, mit denen Lehrkräfte und das Leitungspersonal verschiedener Schulformen konfrontiert werden.