Bremerhaven, 15. Januar 2026
Spurensuche in der Stadt
Ausstellung lässt Bremerhaven und Chemnitz als von Migration geprägte Orte entdecken
Ab 29. Januar 2026 eigene Stadtgeschichte mit neuen Augen sehen: Dazu lädt die Ausstellung “Aufbrüche – Umbrüche: Ein Dialog zwischen Bremerhaven und Chemnitz“ im Deutschen Auswandererhaus ein. Sie zeigt Bremerhaven und Chemnitz als Städte, deren Geschichte und Gegenwart von Zu- und Abwanderung geprägt sind, und macht deutlich: Migration ist kein Randthema, sondern ein zentrales Element urbaner Entwicklung als solche.Die Ausstellung entstand als Kooperation mit der Professur Humangeographie mit Schwerpunkt Europäische Migrationsforschung der Technischen Universität Chemnitz. Sie verbindet Stadtgeographie und Migrationsgeschichte von Bremerhaven und Chemnitz und gibt Interessierten Strategien an die Hand, in der eigenen Kommune auch selbst zur lokalen Migrationsgeschichte zu forschen.
Humangeographin Prof. Dr. Birgit Glorius (TU Chemnitz) und Museumsdirektorin Dr. Simone Blaschka eröffnen am Donnerstag, den 29. Januar 2026, um 16 Uhr die Ausstellung im Deutschen Auswandererhaus. Zuvor besteht für Interessierte die Möglichkeit, um 13 Uhr an einem Stadtrundgang durch Bremerhaven teilzunehmen, der die Einflüsse von Migration auf die Stadtgeschichte anhand ausgewählter Themen und Standorte aufzeigt. Eine Anmeldung ist hierfür erforderlich bis zum 26. Januar unter veranstaltungen@dah-bremerhaven.de oder Tel. 0471 902200. Wer an beiden Programmpunkten teilnimmt, kann sich zwischen Stadtrundgang und Eröffnung im Museum bei Kaffee, Kuchen und Punsch im Museum aufwärmen.
Aufbrüche - Umbrüche: Worum es geht
Was, wenn Migration nicht als Randphänomen, sondern als Kernmoment von Stadtgeschichte wahrgenommen wird? Und welche Effekte hat es für die Stadtgesellschaft, wenn Menschen diese Geschichte selbst erforschen und erzählen? Die Ausstellung basiert auf partizipativ entwickelten Stadtrundgängen in Bremerhaven und Chemnitz. Sie machen Migrationsgeschichte dort erlebbar, wo sie stattgefunden hat: Im konkreten, gewachsenen Stadtraum. Die Ausstellung zeigt anhand ausgewählter Stationen – etwa Straßenzüge, die durch Ab- wie Zuwanderung im Laufe der Jahrzehnte unterschiedlichste Communities beherbergten, Unternehmen, die durch Verdienstmöglichkeiten Zuzug aber auch Wegzug bedingten, aber auch Behörden, Parks und Sehenswürdigkeiten, wie eng persönliche Erfahrungen, kollektive Erinnerungen sowie historische und geographische Fakten miteinander verwoben sind.
Zwei Städte im Wandel
Entlang erzählter und gefundener Spuren und Zeiten des Umbruchs, beginnend mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert, vergleicht die Ausstellung die Entwicklung beider Städte:
Sie beleuchtet die Rolle von Zugewanderten für Wirtschaft und lokalem Leben ebenso wie Gründe für Abwanderung, etwa durch politische oder ökonomische Einschnitte. Konkret begegnen sich ost- und westdeutsche Geschichte, die Hafenstadt Bremerhaven und die Industriestadt Chemnitz, etwa im markanten Bevölkerungsverlusten am Ende des Kalten Krieges. Während Chemnitz in den 1990er Jahren vor allem durch die Transformationsjahre nach der politischen Wende Bevölkerung verlor, prägte in Bremerhaven der Abzug der U.S. Truppen die demographische Entwicklung.
Citizen Science und konkrete Anwendung
Die Ausstellung geht zurück auf ein preisgekrönten Forschungs- und Transferprojekt des Teams der TU Chemnitz, das Bürger:innen aktiv in die Erforschung lokaler Migrationsgeschichte einbezieht. Prof. Dr. Birgit Glorius erläutert: "Auf der lokalen Ebene erleben wir Migration sehr konkret und entwickeln zugleich ein Verständnis der Pluralität von Migrationsgeschichte. Der Vergleich lokaler Migrations-ereignisse bietet vielseitige Denkanstöße, über die neue Ideen für aktuelles Handeln und zukünftige Entwicklungen abgeleitet werden können." Um das Konzept weiterzugeben, entstand zudem ein "Werkzeugkoffer", der als methodischer Leitfaden Interessierten hilft, selbst migrationsbezogene Stadtrundgänge in ihrer Kommune zu entwickeln. Der Reader ist u.a. digital über die Website der Technischen Universität Chemnitz zu erhalten.
Kalliope-Preis für praxisnahe Migrationsforschung und Kooperation
Für ihre Idee erhielten Prof. Dr. Birgit Glorius, Dr. Friederike Enßle-Reinhardt, Stephan Schurig und Dr. Hanne Schneider von der Professur Humangeographie mit dem Schwerpunkt Europäische Migrationsforschung der TU Chemnitz im Dezember 2023 den “Kalliope-Preis für praxisnahe Migrationsforschung“ der Stiftung Deutsches Auswandererhaus. Der Preis ist durch die Stiftung Deutsches Auswandererhauses mit 20.000 Euro dotierte Pries wird alle drei Jahre für Forschungsprojekte vergeben, die wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischer Vermittlungsarbeit verbinden Auf die Kooperation blickt Museumspädagogin Astrid Birth zurück: "Der Ideenaustausch zwischen der TU Chemnitz und dem Deutschen Auswandererhaus zeigt, wie wertvoll die Zusammenarbeit von Museen und Universitäten sein kann - ein wichtiges Ziel des Kalliope-Preises für angewandte Migrationsforschung.“ Die Ausstellung wurde im Oktober 2025 erstmals in Chemnitz, der Europäischen Kulturhauptstadt 2025, vorgestellt und ist bis zum 01. März 2026 im Museum am Neuen Hafen zu sehen.
Presseinformation
INTERVIEWS mit den Expert:innen können über die Presseabteilung des Deutschen Auswandererhauses vereinbart werden: Am 29. Januar 2026 könne Sie Termine für den Vormittag erhalten oder spontan zwischen 15 und 16 Uhr mit Frau Prof. Glorius und Frau Dr. Blaschka ins Gespräch kommen. Weitere Interviewtermine sind auf Anfrage möglich.


